Karl Heinrich Waggerl
österreichischer Schriftsteller (1897 - 1973)
Es ist erstaunlich, wie vorurteilsfrei wir zu denken vermögen, wenn es gilt, eine Dummheit vor uns selbst zu rechtfertigen.
Wenn ich meinen Nächsten verurteile, kann ich mich irren, wenn ich ihm verzeihe, nie.
Ein Fremdwort ist wie ein unscharfes Photo.
Der Glaube versetzt Berge, der Zweifel erklettert sie.
Eine halbe Wahrheit ist nie die Hälfte einer ganzen.
Es erfordert zuweilen mehr Mut, den Gegner zu fliehen, als ihn anzugreifen.
Das Vorurteil ist die hochnäsige Empfangsdame im Vorzimmer der Vernunft.
Man soll das Schicksal nicht mit Vorschlägen verärgern. Es legt zuviel Wert auf seine eigenen Einfälle.
Die Herrschenden zimmern ihren Thron nicht mehr selber. Darum wissen sie auch nicht, wo er brüchig ist.
Seine Fehler verzeihen wir dem Nächsten lieber als seine Vorzüge.
Man nimmt dem Menschen das Beste, wenn man ihn von seinen Fehlern trennen will.
Wir meinen die Natur zu beherrschen, aber wahrscheinlich hat sie sich nur an uns gewöhnt.
Was die Gesellschaft öffentliche Meinung nennt, heißt beim einzelnen Menschen Vorurteil.
Leute, die nichts von sich halten, sind auch schlechte Menschenkenner.
Mir gefallen auch unter den Menschen die Ruinen besser als die Museen.
Wie oft wird das Gute durch die verwerfliche Art, es öffentlich zu machen, wieder entwertet.
Wer nichts Böses tut, hat damit noch nichts Gutes getan.