André Gide

französischer Schriftsteller (1869 - 1951)

Wenn ein Philosoph einem antwortet, versteht man überhaupt nicht mehr, was man ihn gefragt hat.
Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren.
So geht es oft mit einer Unterhaltung: Nach einer Weile vergeblicher Auseinandersetzung merkt man, daß man gar nicht von derselben Sache gesprochen hat.
Ohne den Staub, worin er aufleuchtet, wäre der Sonnenstrahl nicht sichtbar.
Ich nenne "Journalismus" alles, was morgen weniger interessant ist als heute.
Jede neue Idee, die man vorbringt, muß auf Widerstand stoßen. Der Widerstand beweist übrigens nicht, daß die Idee richtig ist.
Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen, und mißtrauen Sie denen, die sie gefunden haben.
Das ist das Eigentümliche an der Liebe, daß sie unaufhörlich wachsen muß, wenn sie nicht abnehmen soll.
Es entspricht einem Lebensgesetz: Wenn sich eine Tür vor uns schließt, öffnet sich eine andere. Die Tragik ist jedoch, daß man auf die geschlossene Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet.
Kunst ist Zusammenarbeit zwischen Gott und dem Künstler, und je weniger der Künstler dabei tut, desto besser.
Religion und Familie sind die beiden größten Feinde des Fortschritts.
Es ist ganz natürlich, daß man anstößt, sobald man der Strömung nicht mehr folgt.
Sein Gedächtnis schult man am besten dadurch, daß man etwas vergessen möchte.
Alles ist schon einmal gesagt worden, aber da niemand zuhört, muß man es immer von neuem sagen.